3700 km in fünf Tagen

Vor gut drei Wochen bin ich zu meiner fünften mehrtägigen Langstreckenreise angetreten (1. Aachen – Istanbul, 2. Istanbul – Bordeaux, 3. Mhamid – Aachen, 4. Dresden – Cankiri): Aus dem Süden der Türkei bis nach Estland, 3700 km durch 10 Länder! Und mal wieder hatte ich ziemlich viel Glück, bin zwei Nächte durchgefahren und war mehrere Tage früher als erwartet zurück im Maarja Küla, dem Dorf in dem ich vor drei Jahren als Freiwillige gearbeitet habe.
Am ersten Tag wurde ich von einer super netten Familie auf dem Nachhauseweg vom Urlaub nach Istanbul mitgenommen, war eine Nacht dort zu Gast, hatte einen gemütlichen Abend und ein wunderbares Frühstück und habe mich dann auf den Weg nach Bulgarien gemacht.

Der zweite Tag war nicht ganz ungefährlich, ich sass in einem Auto auf dem Weg nach Moldavien, als plötzlich die Gänge ausfielen und wir auf dem Seitenstreifen anhalten mussten. Zum Glück hat wortwörtlich jedes einzelne Auto mit moldavischem Kennzeichen, das vorbeikam, für uns angehalten; und so standen zwischendurch nicht weniger als zehn Männer laut diskutierend um die Motorhaube herum und versuchten, die Sache in den Griff zu bekommen – leider ohne Erfolg. Schlussendlich wurden wir von einem Minibus abgeschleppt, der Plan war, über die Grenze zu kommen und das Auto dann in Bulgarien zur Werkstatt zu bringen. Wenn man aber trotz Abschleppseil und einem Abstand von ca. vier Metern zwischen den Autos trotzdem 90km/h fahren will, dann kann es schonmal sein, dass man die Kurven nicht ganz so exakt nimmt. An den Tag hatte ich meinen ersten und einzigen – zum Glück sehr kleinen – Trampunfall, und zwar ausgerechnet mit der bulgarischen Grenzpolizei, der wir den Aussenspiegel abgesägt haben. Da unser Spiegel auch in Eimer war, ging es dann nach einigem hin und her ohne Konsequenzen für beide Seiten weiter, und ich war eigentlich nur froh, das nichts weiter passiert war.

Die nächsten zwei Nächte habe ich auf Raststätten geschlafen, und am vierten Tag habe ich abends die tschechisch-polnische Grenze erreicht. Ich habe damit gerechnet, noch drei bis vier weitere Tage unterwegs zu sein, aber wie es beim Trampen so ist, habe ich unterwartete Bekanntschaft mit einem Letten geschlossen, der auf direktem Weg nach Vilnius war. Also sind wir die Nacht durchgefahren, haben zwischendurch irgendwo zwei Stunden geschlafen und waren pünktlich um acht Uhr morgens total übermüdet (also ich zumindest) in Litauen angekommen. Die restlichen Kilometer nach Estland waren dann nicht mehr der Rede wert, eine sehr symphatische Familie hat mich nach Riga mitgenommen und mit einem estnischen LKW mit direktem Ziel Tartu bin ich bis in die Innenstadt gefahren. Jetzt bin ich seit genau zwei Wochen hier, letzte Woche war grossen Freiwilligentreffen im Dorf mit vielen alten und neuen Gesichtern, dem viertägigen Besuch auf dem Viljandi Folk Festival und vielen vielen schlaflosen Nächten.

Ich bin eine Woche am schwarzen Meer langgetrampt, bin über kleine verschlungene Küstenstrassen durch wunderschöne Natur gefahren und konnte dauerhaft einen atemberaubendem Ausblick geniessen! Dazu habe ich noch eine Gastfreundschaft erleben dürfen, die eigentlich nicht in Worte zu fassen ist. Sieben Naechte war ich unterweegs ohne Plan, und sieben Abende wurde ich mit der grössten Selbstverstaendlichkeit von verschiedenen Menschen in deren Haeuser eingeladen. Ich habe in einer leerstehenden Ferienwohnung übernachtet, war zu Gast in einem kleinen abgelegenen Dorf mitten in den Bergen, wurde einmal mit zur Arbeit genommen und allen Kollegen vorgestellt, habe mir mit drei Freunden das Hostelzimmer auf deren Wochenendtrip geteilt und war sogar Teil einer Familienfeier zur Geburt eines Babys, bei der nicht weniger als 30 nahe und fernere Verwandte anwesend waren!

Immernoch unterwegs!

Nach einer längeren Sendepause und einer Freundin, die mich aufgrund der fehlenden Blogeinträge schon für in der Wüste verschollen gehalten hat, melde ich mich jetzt doch nochmal kurz zu Wort. Die sechs Wochen in Marokko waren die bis jetzt sicherlich Eindrucksvollsten meiner Reise, die Intensivsten, Interessantesten, aber auch die Anstrengendsten. Der Abschied von den ganzen Menschen im Camp bei M’hamid ist mir schwer gefallen, es ist lange her, dass ich mich an einem Ort so wohlgefühlt habe.

Die ganzen Fotos aus Marokko gibt es jetzt auch endlich nachträglich hier: Dropbox

Nichtsdestotrotz habe ich mich auf den Rückweg gemacht, war innerhalb Marokkos nochmal drei Tage unterwegs, bis ich die Fähre erreicht habe und bin dann nach weiteren drei Tagen Fahrt vor gut drei Wochen wieder in Aachen angekommen. Bei der Trampmeisterschaft an Pfingsten habe ich den 10. Platz gemacht, war noch eine Weile in Dresden, wo ich mit Elisabeth unter anderem einen Tag in der Sächsischen Schweiz verbracht habe (per Anhalter natürlich) und bin momentan spontan in Graz bei Maria und Hannes zu Besuch.

Nach drei Wochen auf deutschsprachigem Raum reicht es dann aber auch mal wieder und wohin zieht es mich als nächstes? Ganz genau, nochmal in die Türkei. Da werde ich voraussichtlich einige Wochen auf einem Bauernhof bei Çankırı arbeiten, und je nach Laune nochmal ein paar alte Bekannte in anderen Städten besuchen. Danach ist dann auch schon bald der obligatorische Sommerurlaub in Estland angesagt, inklusive Anreise durch einige mir noch unbekannte Länder in Osteuropa und danach – ist die letzte Rundreise angesagt: Einmal hoch zum Nordkapp und wieder zurück.

So, jetzt wisst ihr wieder alle Bescheid,  den nächsten Bericht gibt es dann wohl vermutlich aus der Türkei. Ich bin schon gespannt, was mich da wieder erwartet und nach dem kurzen Besuch in Deutschland auch wieder topmotiviert! Auf geht’s!

Die Sahara

Wer haette das gedacht. Seit eineinhalb Wochen fuehre ich ein einfaches Leben in der Fruehlingshitze der Wueste zwischen Kamelen, Dattelpalmen und der Stille des Sandes um mich drumherum. Marokko an sich war schon eine andere Welt, aber hier habe ich jeden Tag das Gefuehl in eine Postkarte gefallen zu sein. Einmal kam jemand vorbei der zwei seiner Kamele verloren hatte, dann hat jemand mit seiner Ziegenherde einen kurzen Zwischenstopp bei uns gemacht und an den Anblick von Maennern in den traditionellen Gewaendern und Turban auf dem Kopf habe ich mich schon laengst gewoehnt. Genauso normal ist es mittlerweile, mit den Haenden zu essen und den Teller mit allen zu teilen, per Hand zu waschen (und zwar fast jeden Tag bei 35°) und ausserdem die letzten Tage ebenfalls, in einer grossen Gruppe unter freiem Himmel zu schlafen. Ungefaehr jeden zweiten Tag haben wir Touristen im Camp (das ich ueber Workaway gefunden hab) und dann werden die Abende ziemlich lang mit einer Menge Musik und gutem Essen dabei.

Auch wenn ich die ersten Tage gebraucht habe, um mich hier einzugewoehnen, geniesse ich meine Zeit grade total und bin froh hier sein zu duerfen. Vorallem habe ich gesehen wie wenig man eigentlich zum Leben braucht (ohne dass einem was fehlt), wie viele ueberflussige Dinge es in Deutschland/Europa eingentlich gibt und was fuer ein extrem luxurioeses Leben ich doch gefuehrt habe. Echt wahr.

Und nochmal: Ich bin in der Sahara! Glaubt man das? 😀

http://www.google.co.ma/imgres?imgurl=http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/92/Side_street_mhamid_morocco.jpg&imgrefurl=http://en.wikipedia.org/wiki/M%27Hamid_El_Ghizlane&h=1064&w=1600&tbnid=pV-3I4E8-w9pTM:&zoom=1&docid=1UJ6PBuQeNfNOM&ei=1dw_Vaj_LozXUc3ngOgL&tbm=isch&ved=0CBoQMygAMAA