Die türkische Polizei

Erinnert ihr euch noch an die Geschichte, wie Marcel und ich abends auf der Autobahn von der Polizei aufgesammelt wurden? Hier kommt die türkische Version.

Ich war auf dem Weg nach Eskişehir und stand mit meinem Schild direkt hinter einer Mautstelle, wo die Straße verbreitert ist und die Autos langsam fahren. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, kamen im Abstand von weniger als fünf Minuten zuerst die Verkehrs- und dann die ‘normale’ Polizei. Da meine bisherigen Kontakte mit der Polizei sehr entspannt gewesen waren (z.B. mit sechs Leuten im Auto kontrolliert zu werden, ohne dass das auch nur ansatzweise ein Problem darstellt; oder am Flughafen zusammen Tee zu trinken), habe ich mir nicht wirklich Sorgen gemacht.
Das ist passiert:
Der Verkehrspolizist hat zwar auch standardmäßig meinen Pass kontrolliert, war aber eigentlich viel interessierter an anderen Dingen. Er hat gefragt, wie lange ich reise und wohin; warum ich in die Türkei komme, wo doch (angeblich) alle nach Deutschland wollen; wo ich so gut Türkisch gelernt habe; warum ich nicht mit dem Bus fahre; ob er an meiner Stelle in Deutschland bleiben kann (:D) und schlussendlich wollte er noch alle meine Trampschilder gezeigt bekommen, wo die ganzen Städtenamen draufstehen.
Als die ‘normale’ Polizei ankam, wurde das Ganze noch besser. Die Verkehrspolizei hat sie kurz über alles informiert (inklusive: “Hey guck mal, was die hier alles für Schilder hat!”) und ist dann nach kurzer Zeit weitergefahren. Vorher haben sie mich allerdings noch gefragt, ob es irgendwas gibt, was sie für mich tun können, ob ich vielleicht Hunger habe und was essen möchte und mir dann – als ich verneint habe – zum Abschied eine gute Reise gewünscht.

Die anderen beiden Polizisten waren insgesamt fast eine halbe Stunde da, haben mir alle möglichen Fragen über meine Reise gestellt, mir Zigaretten angeboten und mich ebenfalls gefragt, ob sie igendwas für mich tun können und ob ich Hunger habe. Eine Weile haben wir uns so unterhalten, und ich musste die ganze Zeit lachen, weil ich so fasziniert von der Situation war. Irgendwann meinte ich aus Spaß: “Solange ihr hier rumsteht, hält sowieso keiner an, die Fahrer haben bestimmt alle Angst vor euch”. Daraufhin habe wir ein bisschen darüber diskutiert, ob das ein guter Platz zum Trampen ist und wie viel Prozent der Leute wohl in meine Richtung fahren. Nach kurzer Zeit – und das ist mein voller Ernst – haben die Polizisten angefangen, speziell Autos mit den passenden Kennzeichen für mich anzuhalten und nach einem Lift zu fragen. In Uniform ist die Erfolgsquote natürlich ein kleines bisschen höher als in Pumphose, und trotzdem hat es ein wenig gedauert, das richtige Auto zu finden. Nach ca. 10 Minuten hielt dann ein LKW mit Fahrtrichtung Eskişehir. Da saßen zwar schon zwei Leute drin, aber was solls. Das hat die Polizisten genauso wenig interessiert wie die Tatsache, dass ich an sich als Fußgänger garnicht auf der Autobahn rumlaufen dürfte, dass man auf der rechten Spur nicht parken kann (direkt hinter der Mautstelle gab es nur eine kleine, schon besetzte Parkbucht, aber keinen Standstreifen) und dass man seine Zigarettenstummel nicht auf die Straße wirft. Kleinigkeiten eben. Jedenfalls wurde ich dann als dritter Passagier von dem LKW mitgenommen, und am liebsten hätte ich mit den Polizisten vorher noch ein Foto gemacht, aber danach zu fragen habe ich mich dann doch nicht getraut.

Natürlich war das nur eine einzelne Erfahrung, von der aus man keine Rückschlüsse auf die Einstellung der Polizei im Allgemeinen schliessen kann, und abgesehen davon werde ich als Touristin wahrscheinlich auch anders behandelt als die “Normalbürger”. Aber ich fand es schon sehr interessant, wie locker das Ganze abgelaufen ist. Ob sowas in Deutschland wohl auch passiert wäre? Ganz sicher bin ich mir da nicht.

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