Ankara – Istanbul

Ankara gilt in der Türkei als wirklich langweilig – eine hässliche Beamtenstadt voller Regierungsgebäude, die jungen Menschen nichts zu bieten hat. Das ist zumindest die Meinung der meisten Leute, mit denen ich mich unterhalten hab.
Da ich keinen wirklichen Eindruck von der Stadt bekommen habe, möchte ich dieses Bild weder bestätigen noch widerlegen – aber meine Zeit dort war ziemlich cool. Mit Sultana und einer Freundin habe ich mir den Campus angeguckt, und was ich persönlich sehr cool fand: viele Studenten trampen zur Uni, sodass sich an den entsprechenden Stellen eine regelrechte Warteschlange bildet:

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In Safranbolu habe ich Berfin, Elif und Burçin getroffen, in deren WG ich mich sofort wohlgefühlt habe. Gleichzeitig mit mir waren noch zwei Mädels aus Korea da, und in einer grossen Gruppe zusammen mit anderen Freunden haben wir uns eine Höhle in der Nähe angesehen. Schlafende Fledermäuse in direkter Reichweite sieht man nicht alle Tage, und das für einen Eintritt von 1€! Danach gabs eine ordentliche Schneeballschlacht,  auch das muss mal sein.
Am ersten Tag hat Berfin mir den alten Basar gezeigt, danach haben wir zu zweit gemütlich in einem Café gesessen, Wasserpfeife geraucht, Backgammon gespielt und Tee getrunken. Alle türkischen Klischees vereint.

Die folgenden Tage hieß es, alte Bekannte wiederzusehen. Zuerst war ich wieder in Eskişehir bei Rezan, Deniz und Arda, habe dieses Mal sogar Zeit gehabt, die Stadt zu sehen und ein paar Freunde kennenzulernen; und danach bin ich zusammen mit Rezan nach Istanbul getrampt. Da habe ich erneut bei Hakan und Hüseyin übernachtet, mich mit zwei anderen Couchsurfern in der Stadt getroffen, von denen ich einen noch von vor drei Monaten kannte und einen anderen Nachmittag mit Elif aus Safranbolu verbracht, die auch grade in der Stadt war.

Zur gleichen Zeit habe ich auch zum ersten Mal ausprobiert, wie es ist, zwei Tage lang komplett ohne Geld auszukommen, meine Lirareserven haben nämlich noch genau für zwei Fahrten mit der Fähre gereicht.
Um einmal quer durch Istanbul zu kommen, bin ich also sowohl eine ganz schöne Strecke zu Fuß gegangen als auch getrampt, was selbst in der Innenstadt erstaunlich gut geklappt hat.
Abends habe ich, inspiriert unter anderem von Michael Wigge’s Dokumentation “Ohne Geld bis ans Ende der Welt”, in Bäckereien und Obstläden nach übriggebliebenem Essen gefragt. Das Ergebnis war überwältigend: Nicht nur habe ich haufenweise Essen geschenkt bekommen, nein, in einem Obstladen wurde ich sogar zum Tee eingeladen, habe mich eine halbe Stunde mit den Mitarbeitern unterhalten und versprochen, nochmal vorbeizukommen,  falls es mich igendwann wieder nach Istanbul verschlägt.

Da ich beim letzten Mal weder die blaue Moschee noch die Hagia Sofia gesehen habe, stand das dieses Mal fest auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin habe ich Hadil aus Jordanien getroffen, die beruflich eine Woche in Istanbul war. Wie sich rausgestellt hat, hatten wir die gleichen Pläne, also waren wir spontan den Vormittag zusammen unterwegs. Zu zweit haben wir uns die Hagia Sofia angeguckt, die wirklich wunderschön ist. Zuerst Kirche, dann Moschee und jetzt Museum, beinhaltet sie in ihrer Architektur und Inneneinrichtung sowohl Elemente aus Christentum und Islam. Ausserdem hatten wir echt interessante Gespräche über Kultur und Religion, Hadil hat mir ein bisschen aus ihrem Leben erzählt und mal wieder ein paar Vorurteile aus dem Weg geräumt, aber auch welche bestätigt. Sie zu treffen war wirklich interessant und angenehm, vielleicht laufen wir uns ja nochmal irgendwann über den Weg 🙂

Freitag habe ich mich wieder auf den Weg gemacht und bin nach vier Tagen Trampen durch den Balkan dann auch gestern gesund und munter in Zagreb angekommen. Was ich auf dieser Reise so erlebt habe, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

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