Eine Nacht im Park und die Sagrada Familia

In Barcelona hatte ich ein kleines Problem. Ich war so begeistert, dass ich mit drei Spaniern im Wohnmobil direkt von Nizza nach Spanien durchfahren konnte, dass ich auch meinem Couchsurfer optimistisch vorausgesagt habe, ich bin um 20Uhr in der Stadt. Ich hatte allerdings vergessen, dass ich ja nochmal ‘umsteigen’ muss, und jemanden in die Innenstadt zu finden hat etwas gedauert. Um kurz vor Neun saß ich dann schliesslich bei Marco und Marco im Auto, zwei sehr entspannten Zeitgenossen – wahrscheinlich wegen dem Joint, der sich während der Fahrt in Rauch aufgelöst hat. Mit denen hatte ich vereinbart, dass sie mich zur richtigen Metrostation bringen – nur um 30 Minuten später herauszufinden, dass ich am komplett anderen Ende der Stadt rausgelssen wurde. Um Viertel nach Zehn war es meinem Couchsurfer dann zu viel – auf meine SMS kam eine klare Antwort: Ich solle mir bitte die Tage was anderes suchen.

Also wusste ich nicht so richtig wohin und habe schliesslich beschlossen, in einem Park zu schlafen.
Die Parks in Barcelona sind generell nachts abgeschlossen, allerdings gibt es Lücken im Zaun, durch die man problemlos rein- und rausklettern kann. Als ich grade durch den Zaun war, wurde ich von einem Mann angesprochen, der mich auf Englisch gefragt hat, wo ich herkomme und wie ich heisse. Obwohl ich anfangs ein bisschen misstrauisch war, habe ich mich noch eine Weile mit ihm unterhalten, er hat mir erzählt, dass er aus Pakistan kommt und ‘beruflich’ im Park Bier verkauft, und dass er dann auch manchmal dort schläft, wenn er die letzte Metro verpasst. Irgendwann habe ich beschlossen, ihm erstmal zu vertrauen (aber sicherheitshalber trotzdem erzählt, dass ich eine Extrem-komplett-ohne-Geld-Reise mache und dass ich Freunde in der Stadt habe, mit denen ich die Tage verabredet bin) und habe die Nacht bei ihm in der Nähe geschlafen, was sich als sehr gute Entscheidung herausgestellt hat. Durch seine Anwesenheit hat er andere Gesellschaft von mir fern gehalten, und morgens hat er mich sogar noch zum Frühstück eingeladen. Dann sind wir ein bisschen durch die Stadt gelaufen, waren am Strand und an der Sagrada Familia und haben nachmittags bei ihm zuhause zusammen gekocht. Der Tag war wirklich unglaublich interessant, eine von den Erfahrungen, die man auf ‘normalen’ Reisen nicht macht. Parveiz hat mir von seiner Familie in Pakistan erzählt, die er schon seit 6 Jahren nicht mehr gesehen hat, und von seinen Plänen, in Spanien ein Visum zu bekommen. Um das Geld dafür zusammenzukriegen, verkauft er jeden Tag im Park Bier an Touristen (1€ die Dose), grade im Sommer teilweise 12 Stunden am Tag. Damit scheint er ganz gut zu verdienen, denn er wollte mir nicht nur sein zweites Smartphone schenken, sondern auch ein Busticket nach Zaragoza, neue Schuhe (und vielleicht eine Handtasche?) und hat mich ungefähr alle 20 Minuten gefragt, ob ich noch irgendwas brauche, was er mir kaufen kann. Am Ende habe ich mich dann darauf eingelassen, mit ihm neue Schuhe kaufen zu gehen, denn er war fast schon richtig beleidigt, dass ich seine Gastfreundschaft nicht annehmen will.
Abends auf dem Weg zum nächsten Couchsurfer habe ich dann eine unglaubliche Situation erlebt. In der Metro haben wir – eine Ausländerin mit Rucksack und ein Pakistani – eine Angestellte nach dem Weg gefragt. Die hatte jedoch das Gefühl, mich beschützen zu müssen und hat mich – immer wieder misstrauisch zu Parveiz rüberguckend – zu Fuß zu der richtigen Station gebracht (zwei Straßen weiter). Auch mein mehrmaliges “Es un amigo” hat nichts gebracht, die Frau hat mir nicht geglaubt und war sich sicher, dass ich irgendwie in Gefahr bin. Das ging dann soweit, dass sie noch einen anderen Mitarbeiter angesprochen hat, beide versucht haben, mir zu erklären, dass ich ‘solchen Leuten’ nicht vertrauen soll und mich am Ende sogar umsonst in die Metro gelassen haben, nur um ihn loszuwerden. Ich war sprachlos – bildlich und in Wirklichkeit.
Später habe ich nochmal mit Parveiz telefoniert und der dachte lustigerweise die ganze Zeit, die Frau wäre lesbisch, weil sie mich so oft an der Schulter berührt hat. Wer weiß, vielleicht war ich ja auch diejenige, die das Ganze missverstanden hat.

Also jedenfalls war ich dann auf dem Weg zu Anton, der in Barcelona einen Freiwilligendienst macht und mir zum Glück bei Couchsurfing noch kurzfristig geantwortet hat. Am ersten Abend hatte er 20 Leute zu sich eingeladen, davon ungefähr 10 Deutsche, und als dann irgendwann auch noch Kölsche Karnevalsmusik lief, habe ich mir gedacht, die Welt ist ja doch irgendwie ein Dorf. Die nächsten beiden Abende waren wir mit seinen Freunden (die grade aus Deutschland zu Besuch waren) in der Stadt, haben Tapas gegessen, Bier getrunken und uns den Sonnenuntergang über Madrid angeschaut. Ausserdem habe ich mich auf einer Erasmus-Party mit Burcu und Ege aus der Türkei und ein paar Deutschen unterhalten und mir tagsüber den Park Güell angeguckt, wo man allerdings für alles Sehenswerte von Gaudi Eintritt bezahlen muss. Stattdessen habe ich dann 4€ in eine ausgeschnittene Papiersilhouette von meinem Kopf investiert und mir ein Eis gekauft. Wow.

Natürlich war ich auch in der Sagrada Familia, die beeindruckend genug war, um hier eine eigene Fotogalerie zu bekommen. Am besten fand ich die Lichtreflektionen durch die Fenster, und einige Zeit habe ich auch vor der Tür mit dem “Vater unser” in 50 Sprachen verbracht:

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