Teil 2 aus Greifswald

Freitag waren Marcel und ich in Rostock, um Markus zu besuchen, der ebenfalls vor Kurzem zum Studieren umgezogen ist. Dort erlebte ich dann auch meine zweite Immatrikulation innerhalb einer Woche, dieses Mal leider ohne Freibier. Die anderen Abende verbrachten wir alle mit Marcels Mitbewohnern und/oder Kommilitonen, ob in der Stadt oder in der WG. In Rostock haben Marcel und ich uns ein bisschen die Stadt und den Stadthafen angeguckt, bevor wir vor dem Regen und der Kälte in ein Einkaufszentrum geflüchtet sind. Da musste ich vor lauter Heimatgefühle natürlich erstmal Aachener Printen kaufen, über die wir uns später aber noch sehr gefreut haben…

Abends hatten Marcel und ich den tollen Plan, die ca. 70km nach Greifswald zurück zu trampen. Während er bisher hauptsächlich nur in Estland per Anhalter unterwegs war, war ich mir meiner Sache relativ sicher, wie oft bin ich schließlich schon in Deutschland von A nach B getrampt! Was sind schon 70km!

Aus dem Abend wurde dann allerdings ein perfektes Beispiel, wie man es am besten NICHT machen sollte.

Da hatten wir ja noch keine Ahnung, was uns bevorstand:

Fehler Nr. 1: Wir sind im Dunkeln los. Bei Dämmerung standen wir am Zubringer stadtauswärts, mit unserem Schild, auf dem das Autobahnzeichen zu sehen war. Das war Fehler Nr. 2, da das Schild zwar eigentlich ein super Mittel ist, um aus Städten rauszukommen; in dem Fall aber nur dazu führte, dass wir wenig später im Stockdunkeln an der unbelichteten Autobahnauffahrt standen.

Nachdem wir also eine Stunde lang, mit zunehmend sinkendem Optimismus, versucht hatten, die Autofahrer zum Halten zu bewegen, kam Fehler Nr. 3: Wir einigten uns darauf, zu Fuß zur nächsten Autobahnraststätte zu laufen. Das bedeutete: eine Entfernung von 6 km hinter der Leitplanke an der Autobahn entlang. Wir sind eine gute Stunde gelaufen, ich mit einer geschenkten und – wie sich rausgestellt hat – ziemlich schlechten Stirnlampe, als plötzlich Blaulicht hinter uns auftauchte und ich ungefähr drei Sekunden Zeit hatte, um unsere Unterhaltung mit den Worten “… uuund da kommt die Polizei.” zu beenden.

DSCF1957

Kurze Zeit später fanden wir uns an einer Tankstelle in Rostock Ost wieder, hatten es also doch tatsächlich in 3,5 Stunden geschafft, eine halbe Runde um die Stadt zu drehen. Kleiner Tip am Rande: Bietet Polizisten nicht während der Fahrt Aachener Printen an und wenn euch gesagt wird, dass mehrere Leute wegen Fußgängern auf der Autobahn angerufen haben, antwortet nicht: “Na wenigstens waren wir im Radio”.

Ein pessimistischer Marcel nachts an der Tankstelle

An der Tankstelle ging es also weiter, Marcel war inzwischen völlig entmutigt, wir hatten beide nasse Füße und relativ schlechte Laune. Die nächsten 1,5 Stunden verbrachte ich damit, jedes haltende Auto zu fragen, ob es nach Stralsund fährt (das lag über Landstraße auf dem Weg). In dieser Zeit mussten dann endlich auch die Printen dran glauben. Als um 22.00Uhr auch noch die Tankstelle zumachte, hatten wir beide die Hoffnung aufgegeben, und Marcel schickte einer Freundin eine SMS, ob sie uns abholen kommen kann. In Ermangelung anderer Möglichkeiten stellten wir uns wieder mit Schild an die Straße und siehe da! Wir wurden mitgenommen. Zwei Stopps später waren wir tatsächlich in Stralsund und wurden von da noch abgeholt!

Um eins kamen wir ziemlich fertig bei Marcel an und waren einfach nur froh, dass wir nicht irgendwo auf der Straße schlafen mussten! Aber da waren wir dann schon wieder soweit, dass wir das Ganze einfach als Abenteuer und gute Geschichte betrachtet haben, nachher hat man ja immer gut reden. Und für mich war es eine Vorschau auf das kommende Jahr, denn ich werde nicht das letzte Mal ein paar Kilometer gelaufen sein müssen oder mir die Frage nach einem Schlafplatz gestellt haben.

Morgen geht es übrigens endlich los Richtung Türkei!

Route

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2 thoughts on “Teil 2 aus Greifswald

  1. die Eva

    uiuiuiui, Anna, das Trampen in der Dunkelheit hört sich ja echt miese an! Aber obwohl es eine echt harte Geschichte ist, musste ich beim lesen ab dem Moment, wo ihr der Polizei Aachener Printen anbotet, einfach nur laut los lachen. Super geschrieben!! Ich werde versuchen, deinen Blog weiter zu verfolgen und wünsche dir alles alles Gute fürs kommende Jahr!

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  2. Pia

    “Na immerhin waren wir im Radio” 😀 Ich haue mich hier weg. Nach dem sich der Koffer aus Barcelona so halb ausgepackt ins restliche Chaos in meinem Zimmer integriert hat und ich die ersten beiden Arbeitstage überlebt habe, habe ich beschlossen mir heute mal deinen Blog durchzulesen und bin schon jetzt begeistert.

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