Planänderung – von Konya bis Alanya

Vor eineinhalb Wochen fand in Konya das jährliche Festival des Mevlana Ordens statt, bekannt besonders wegen der Tanzenden Derwische, die sich in ihren weißen Gewändern minutenlang um sich selbst drehen und dabei in eine Art Trance verfallen.

Während ich mich natürlich darauf gefreut habe, dieses Ritual zu sehen, war ich mir nicht ganz sicher, was ich von der Stadt an sich zu erwarten hatte. Konya gilt als der konservativste Ort der Türkei, stark religiös und – wie ich mir habe sagen lassen – Ausländern gegenüber nicht sehr freundlich eingestellt. Die meisten Couchsurfer, bei denen ich bis jetzt war (meistens Studenten, alle unter 30) haben mir gesagt, dass sie die Stadt nicht mögen, weil sie ihnen zu traditionell ist und die Erasmus-Studenten in Isparta haben mir sogar erzählt, dass sie dort mal mit Eiern beschmissen worden sind. Meine Erwartungen waren also eher negativ.

Zu Unrecht. Während meiner Zeit in Konya bin ich – wie überall – einer Menge netter Menschen begegnet, und hatte dazu noch einen Haufen Glück.
Den Tag habe ich mit Candido aus Spanien und seinen Freunden verbracht, wir haben uns zwei Museen und eine Menge Moscheen angeguckt (dank der Studentenausweise bin ich in die Museen kostenlos reingekommen); und abends habe ich mir die Vorstellung der Derwische angeschaut. Ich wollte eigentlich ein bisschen zu spät kommen und dann fragen, ob es noch freie Plätze gibt und ob ich vielleicht ohne Ticket zugucken kann. Aber aus dem ein bisschen wurde eine Stunde, und ich hätte ja gefragt, aber es hat keiner mehr kontrolliert.

Auf dem Weg nach Antalya bin ich in einem Eseltransporter mitgefahren und wurde danach einem Kiosk von Mehmet und seinen Mitarbeiterinnen zum Tee und später zum Essen eingeladen.


In Antalya habe ich zum ersten Mal, seit ich in der Türkei bin, nicht gewusst, wo ich schlafen sollte. In Ermangelung anderer Möglichkeiten habe ich einfach in Hotels nachgefragt, ob ich vielleicht für ein paar Stunden bleiben kann (es war schon ein Uhr). Zu meinem Erstaunen und meiner Erleichterung haben schon im zweiten Hotel die netten Herren von der Rezeption mich hereingebeten, mir Tee angeboten und mich auf dem Sofa schlafen lassen.
Damit nicht genug. Am nächsten Morgen wurde ich von einem der Mitarbeiter zum Frühstück eingeladen und ohne zu fragen zu einem anderen Hotel gebracht, wo er mir für eine Nacht ein Zimmer bezahlt hat. Bei so viel Freundlichkeit wusste ich ausser einem simplen Danke nichts zu sagen und habe mich einfach über den Luxus gefreut.

Am nächsten Tag habe ich mich in einem Souvenirladen in der Innenstadt mit Yaşar, dem Besitzer, und einem ausgewanderten deutschen Ehepaar unterhalten. Yaşar hat selbst 20 Jahre in Deutschland gelebt und das Ehepaar (Schande über mein Namensgedächnis) wohnt jetzt seit fünf Jahren in Antalya. Die drei haben mir nochmal Hoffnung gemacht, was das Visum angeht, und so habe ich beschlossen, mich nochmal genauer zu informieren. Mittlerweile hatte mir zum Glück Derviş aus Couchsurfing geschrieben, so dass ich eine Bleibe für die nächsten Tage hatte. Mit Yaşar’s Cousin zusammen war ich dann bei der Ausländerstelle, jedoch mit dem gleichen Ergebnis wie in Fethiye: ein Visum zu kriegen ist kompliziert und teuer, und im Endeffekt den Aufwand nicht wert.

Da sich mein ganzer Zeitplan durch die Erkältung und die zwei Tage extra in Antalya ein bisschen verschoben hat, habe ich beschlossen, nicht weiter nach Adana und auf die Farm bei Nevşehir zu fahren, sondern stattdessen über Weihnachten nochmal Utku und Uğur in Isparta zu besuchen und erst danach Richtung Osten zu fahren.
Vorher habe ich mich noch auf den Weg nach Izmir gemacht und abends in Aydın nochmal die Unterschiede zwischen Tankstellen in Deutschland und der Türkei bewundert. Während ich in Deutschland von den Mitarbeitern lediglich geduldet, manchmal schief angeguckt und manchmal auch weggeschickt wurde; bin ich hier schon zum wiederholten Mal zu Tee und auch zum Essen eingeladen worden, und die Tankstellenleute fragen sogar für mich die Autofahrer, ob sie in meine Richtung fahren. In Aydın bin ich dann aber die Nacht nicht mehr weitergefahren, sondern habe in einem leeren Geschäft an der Tankstelle geschlafen, und bin am nächsten Morgen mit dem LKW-Fahrer mitgefahren, der auch am Abend in der “Teerunde” mit dabeigesessen hat. Mittags war ich im wunderschönen antiken Ephesos, habe mich mit wilden Katzen angefreundet, im alten Theater eine Stunde in der Sonne gelegen und bin später von da aus mit einem leeren Reisebus mitgetrampt.

In Izmir habe ich die erste Nacht im Bushof geschlafen, was vorallem wegen dem Lärmpegel ein wenig anstrengend war. Das ist ein bisschen wie am Flughafen, wo die ganzen Fluggesellschaften alle in einer Reihe kleine “Geschäfte” haben, nur das die Verkäufer am Bushof sich benehmen wie auf dem Wochenmarkt. Anscheinend gilt, wer am lautesten brüllt, wird die meisten Tickets los, aber warum um zwölf Uhr nachts?
Irgendwann habe ich es dann geschafft, die Rufe zu ignorieren (“ISTANBUL ISTANBUL ISTANBUL” – “ANKARAAA”) und habe noch ein paar Stunden geschlafen, bis ich um sechs Uhr von der Security geweckt wurde. Die war aber lustigerweise nur neugierig wegen meinem Rucksack, wollte wissen, wo ich herkomme und was ich mache, und war ganz begeistert, dass wir uns einigermaßen auf Türkisch unterhalten konnten.
Die nächsten zwei Nächte habe ich bei Özge und ihrem Freund Güven übernachtet, einen Abend waren wir mit noch anderen Freunden im Kino und ansonsten haben wir hauptsächlich drinnen rumgehangen.

Auf dem Weg nach Isparta bin ich mit einem Friseur mitgefahren, der meinte, schwarze Haare würden mir ja super stehen und der mich einladen wollte zu einem Seminar, wo ich dann als Modell für die Lehrlinge herhalten könnte, inklusive drei Tage Vollpension im Hotel. Leider hatte ich schon was anderes vor, so ein Pech aber auch.

Mein Weihnachten dieses Jahr hat den Namen eigentlich nicht verdient, an Heiligabend habe ich morgens erst nach einer halben Stunde gemerkt, dass der 24. ist; Uğur und Utku waren alle Tage in der Uni, ich war zwischendurch mal in der Stadt, am 25. waren wir in einer Gruppe von acht Leuten in einem Einkaufszentrum bowlen und mein Plan, Plätzchen zu backen, ist daran gescheitert, dass es in der WG garkeinen Ofen gibt.
Eigentlich fand ich es aber ganz angenehm (auch schon die ganzen Wochen davor), dem Rummel zu entgehen und mal ein Jahr so garnicht in Weihnachsstimmung zu sein. Hier und da gab es ein bisschen Dekoration, allerdings im Vergleich zu Deutschland natürlich nicht erwähnenswert.
Am Montag bin ich dann weiter nach Alanya gefahren, wo ich jetzt mit Tanju, Gürkan und Özgün ins neue Jahr starte und danach gehts weiter meine geplante Route entlang, über Adana und Nevşehir/Kappadokien nach Samsun und wieder zurück Richtung Istanbul.

Zum Abschluss wünsche ich euch allen natürlich noch einen guten Rutsch und ein wunderschönes Jahr 2015!
Lasst es krachen!

Anna

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